Rund um die Mobilität ranken sich eine Reihe von fake news, was unserer Meinung nach die Hauptursache für die Trägheit ist, mit der sich das Elektroauto durchsetzt. Aus diesem Grund wollen wir informieren, indem wir die „falschen Mythen der Elektromobilität“ beschreiben.

Mythos 1: Elektroautos sind viel zu teuer

FALSCH!

Nur in der Anschaffung sind derzeit viele E-Autos noch teurer als vergleichbare Benzin- oder Dieselautos. Dafür fallen bei Elektroautos deutlich weniger Kosten für Energie, Wartung und Service an. Der Stromverbrauch für 100 Kilometer Fahrtstrecke kostet nur 3,0 – 4,0 Euro, (bei 15-20 kWh / 100km Fahrtstrecke und 0,20-0,25 Cent pro kWh Strom). Etwas höher liegen die Stromkosten wenn bei öffentlichen Ladestationen geladen wird, deutlich geringer liegen sie aber, wenn man über die hauseigene Photovoltaikanlage ladet. Die Verbrauchskosten für 100 km Fahrtstrecke eines Benzin- oder Dieselautos liegen dagegen bei ca. 12,0 Euro (bei 5-8 lt Treibstoff / 100 km Fahrtstrecke und 1,80 € pro lt Treibstoff). Damit liegen die Verbrauchskosten von Elektroautos bei weniger als 1/3 gegenüber jenen von Benzin- oder Dieselautos.

Zudem sind die Wartungskosten beim Elektroauto deutlich niedriger als beim Benzin- oder Dieselauto: kein Ölwechsel, keine Zahnriemen oder Steuerketten kontrollieren usw. denn ein E-Motor besteht aus weniger beweglichen Teilen als ein Verbrennungsmotor, dementsprechend arbeiten in ihm nicht so viele Verschleißteile. Daneben gibt es bei Elektroautos Steuervorteile und häufig auch Ankaufprämien. In den nächsten Jahren werden mit steigender Nachfrage die Preise von Elektroautos deutlich fallen, denn bald werden diese günstiger zum Produzieren sein wird wie ein konventionelles Auto.

Annahmen: Anschaffungskosten abzüglich Förderungen und zuzüglich Wall-Box. Energiekosten 15.000 km/Jahr, Verbrauch auf 100 km laut Herstellerangaben, Treibstoff mittlerer Tagespreis, Strom mit Haushaltstarif. Alle Angaben inkl. MwSt.

Mythos 2. Die Reichweite von Elektroautos ist zu gering und der Ladevorgang benötigt zu viel Zeit

FALSCH!

Eine Studie von Morgan Stanley zeigt, dass die durchschnittliche tägliche Fahrleistung von Autos je nach Land zwischen 40 und 60 km pro Tag liegt. Und 95% der Autos fahren nie mehr als 200 km an einem Tag. Mit Ausnahme von Elektro-Stadtautos haben alle neueren Elektromodelle eine Reichweite von 200 km oder mehr. Es gibt also nur noch wenige “ nicht abgedeckte “ Fahrer, aber auch in Italien wird es bald ein weit verzweigtes Netz von schnellen und ultraschnellen Ladestationen geben, an denen man in 20 Minuten tanken kann. Diese Schnellladung ist jedoch die Ausnahme, da etwa 70% aller Ladevorgänge zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden, wo die Ladezeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Darüber hinaus entwickeln die Batteriehersteller bereits neue Technologien, um die Reichweite der nächsten Auto-Generation schon ab 2020 bei gleichem Gewicht und gleichen Abmessungen auf 500 Kilometer und mehr zu bringen.

Quellenangabe: elektroautor.com

Mythos 3. Elektroautos sind nicht umweltverträglicher als Autos mit Verbrennungsmotoren

FALSCH!

Wenn man die Umweltverträglichkeit von Autos objektiv vergleichen möchte, muss man dies von der Produktion der Autos, der Herstellung und Transport des Treibstoffes und der elektrischen Energie, bis hin zu Verbrauch und Effizienz inklusive Schadstoffausstoß auf der Straße machen. Bei der sogenannten Well to Wheel-Methode zeigt sich, dass das reine Elektroauto eindeutig die beste Ökobilanz hat, siehe dazu eine interessante Vergleichsgrafik.

Bei einer tank-to-wheel-Betrachtung wird offensichtlich, dass das Elektroautos keinerlei lokale Emissionen beim Fahren erzeugen. Einem energetischen Wirkungsgrad von >90 Prozent beim Elektrofahrzeug stehen Benzin- und Dieselantriebe mit einer Energieeffizienz von circa 35 Prozent gegenüber.

Auch wenn die Batterieproduktion tatsächlich energieintensiv ist, haben Elektroautos die deutlich geringsten Gesamt-Emissionen. Bei Verwendung von Ökostrom z.B. der eigenen Photovoltaikanlage liegen diese nahe bei Null. Bei Autos mit Verbrennungsmotoren sind sie jedoch das Hauptproblem.

Der Straßenverkehr macht etwa 1/3 der Gesamt- CO Emissionen aus, wobei der größte Teil auf den PkW-Verkehr zurückzuführen ist. Damit wird ein großer Teil des Öl-Konsums wird in den Autos verheizt. Hinzu kommen der hohe Treibstoffverbrauch von Tankschiffen, der Transport zu den Tankstellen und die hohen Stromkosten bei der Herstellung von Benzin.

Mythos 4. Die Herstellung von Batterien ist problematisch, sie sind nicht recycelbar und es gibt nicht genügend Rohstoffe

NUR TEILWEISE RICHTIG!

Besonders umstrittenes Thema bei der Diskussion um die Umweltverträglichkeit von Elektroautos sind die Batterien, Kritiker argumentieren mit der umweltschädlichen Batterieerzeugung und Entsorgung. Tatsächlich entstehen bei der Herstellung von Batterien und Akkus CO2-Emissionen. Allerdings kann auch davon ein großer Teil reduziert werden, wenn die Hersteller für die Erzeugung erneuerbare Energie verwenden. Weitere Kritik beruht darauf, dass für den Bau von Lithium-Akkus Kobalt verwendet wird und dessen Abbau in der Demokratischen Republik Kongo unter menschenunwürdigen Verhältnissen geschieht. Mittelfristig soll der Kobalt-Gehalt von 12% auf 6% reduziert werden und es wird davon ausgegangen, dass langfristig ganz darauf verzichtet werden kann. Die Verfügbarkeit des Rohstoffes Lithium ist langfristig gesichert. Da die Lithium-Gewinnung umwelttechnisch nicht unproblematisch ist, wird an neuen Batterietechnologien geforscht. Moderne Lithium-Akkus halten um ein Vielfaches länger als ihr Ruf. Nach zirka zehn Jahren liegt die Kapazität bei Li-Ion-Akkus immer noch bei zirka 80 Prozent. In einem Second-Life-Programm, welches viele Autohersteller betreiben, können die ehemaligen Antriebsbatterien ohne Probleme weitere 10 Jahre als Stromspeicher für Wohnanlagen oder Hotels verwendet werden. Nach insgesamt zirka 20 Jahren können sie umweltfreundlich recycelt werden.

Es sei noch hingewiesen, dass Lithium-Batterien weniger umweltschädlich sind als Blei-Batterien welche in konventionellen Autos eingesetzt werden.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, möglichst kleine und leichte Fahrzeuge zu bauen, denn je größer die Batterie, desto höher ist die Problematik bei der Gewinnung und der CO2-Ausstoß bei der Produktion.

Mythos 5. Die Stromkapazitäten reichen nicht für alle Elektroautos. Wir werden neue Atomkraftwerke bauen müssen.

FALSCH.

Wenn alle Autos in Italien eines Tages elektrisch fahren werden, steigt natürlich der Strombedarf dementsprechend. Da aber E-Autos einen viel höheren Wirkungsgrad haben, wird der Gesamtenergieverbrauch durch den Umstieg von Verbrennungs- auf Elektrofahrzeugen sogar sinken. Elektroautos könnten sogar „überflüssigen“ Strom, der in der Nacht durch Wind- und Wasserkraftwerke produziert wird, nutzen. Außerdem produzieren viele Elektroauto-Fahrer einen großen Teil des Stroms für ihr Auto mittels der eigenen Photovoltaikanlage.

Würden in Italien auf einmal 20 Prozent aller Autos rein elektrisch fahren, würde der Stromverbrauch um zirka drei Prozent steigen. Und der Ausbau der erneuerbaren Energien in Italien schreitet eindeutig schneller voran als die Anzahl der Elektroauto-Neuzulassungen.

Für die Zukunft sind sogenannte „Smart Grids“ geplant. Die intelligenten Stromnetze binden Elektroautos ins gesamte Stromnetz ein, wobei die Batterien der E-Autos helfen sollen das Stromnetz zu entlasten und Stromspitzen abzufangen.

Mythos 6. Elektroautos sind für unsere Kinder eine Gefahr, da man sie nicht hört.

FALSCH

In den unteren Geschwindigkeitsbereichen wurde festgestellt, dass eine „gewisse“ Gefahr für Fußgänger und Sehbehinderte ausgehen kann. Deswegen erzeugen die meisten Elektroautos ein künstliches Fahrgeräusch, welches sich ab 30 km/h automatisch abschaltet. Darüber reichen die Abrollgeräusche der Reifen und die Windgeräusche, um ein Herankommen eindeutig hörbar zu machen.

Gerade bei Kindern auf der Straße muss man auch in einem lauten Sportwagen besonders aufmerksam sein. Der Vertrauensgrundsatz gilt nicht und spielende Kinder lassen sich auch selten von Motorgeräuschen beeindrucken. Außerdem sind Elektroautos häufig mit zahlreichen Assistenzsystemen ausgestattet, die bei Fußgängern sogar automatisch bremsen. Besser wäre, die niedrigeren Geräusch-Emissionen von E-Autos als Chance zu sehen, die mehr Lebensqualität in die Städte bringt.

Mythos 7. Für Elektroautos gibt es viel zu wenige Ladesäulen

FALSCH

Die öffentlichen Ladeeinrichtungen sind inzwischen recht weit verbreitet, und es kommen laufend viele weitere dazu.  Darüber hinaus macht die Möglichkeit, das Elektroauto in der Firma oder jeden Abend zu Hause aufgeladen zu werden, es praktisch unmöglich, dass die Energie ausgeht. Für lange Fahrten kann man sich mit geplanten Stopps gut organisieren: Elektroautos verfügen über eine Software, die spezielle Routen vorschlagen kann, um immer rechtzeitig zu Ladestationen zu kommen. Außerdem werden die Ladezeiten immer kürzer, und es dauert bei den meisten Elektroautos auf dem Markt nur rund 30 Minuten, bis die  wieder zu etwa 80% aufgeladen sind. Künftig werden Elektroautos in wenigen Minuten aufladen können, aber schon heute sind die Ladezeiten nicht mehr so biblisch wie früher.

Mythos 8. Die Zukunft gehört der Brennstoffzelle

FALSCH

Das „Wasserstoffauto“ ist genau genommen auch ein Elektroauto. Anstelle einer großen Antriebsbatterie ist die Energie in Form von Wasserstoff in einem unter extrem hohen Druck stehenden Tank gespeichert. Aus dem reinen Wasserstoff wird durch chemische Reaktionen in der Brennstoffzelle Strom produziert, der in einer Pufferbatterie gespeichert wird und erst dann den Elektromotor antreibt.
Nachteil: Der Wirkungsgrad ist extrem schlecht, da 75 Prozent der Energie durch Herstellung und Energieverluste verloren gehen. Zurzeit wird der Großteil des verfügbaren Wasserstoffs aus Erdgas hergestellt, ein Prozess, der viel Strom frisst. Wenn dazu nicht erneuerbare Energie verwendet wird, schneidet das Brennstoffzellen-Auto beim CO2-Ausstoß sogar schlechter wie das Benzin- oder Dieselauto ab.  Das größte Problem ist die nicht vorhandene Infrastruktur: In Italien gibt es zurzeit kaum öffentliche Wasserstofftankstellen. Der aufwändige Transport von Wasserstoff zu den öffentlichen Tankstellen wird die erneute Abhängigkeit von der Erdöl-Lobby mit sich bringen.